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Silje Nergaard: "Chain Of Days (Okeh)"

Auf ihrem mittlerweile 15. Album "Chain Of Days" nimmt uns die norwegische Sängerin mit in auf eine entspannte Reise in ihre musikalische Welt. CAZ-Redakteurin Marion Fiedler hat reingehört.

 

 

 

 

 

 

Das aktuelle Album von Silje Nergaard, mit dem sie im April auch nach Deutschland auf Tournee kommt, hat mich jetzt einige Monate begleitet, und ich genieße seine berührende Unaufgeregtheit. „Chain of Days“ scheint für Liebhaber von schönen Wohlfühlmomenten und ergreifenden, simplen Melodien produziert worden zu sein. Es strahlt mit seinen schönen Stimmungen und spielt sich mit tiefgründigen, aber charmant nachklingenden Songs in dein Herz. Dieses Album kennt keine Eile und auch thematisch keine Grenzen.

Die Geschichten in den Songs erzählen von bewegenden Begegnungen und Verabschiedungen, vom Kindestraum eines Mädchens bis hin zu den Sehnsüchten einer gestandenen Frau. Sie schwärmen von verliebt schwindeligen Tänzen, hoffen immer wieder auf Befreiungen, berichten von den Lebensgeschichten verschiedener Alltagshelden, dürsten nach Abenteuer und Neuanfängen und verweben eklatante Widersprüche zwischen Text und Musik auf versöhnende Art und Weise ineinander. „Chain of Days“ hat trotz der thematischen Fülle etwas bodenständig Simples, etwas Verwurzelndes.

In Hinsicht auf das Genre ist dieses fünfzehnte Silje-Album offen gehalten. Die Musik schlängelt sich entspannt zwischen dem, was wir als Folk, Jazz, Tango und Pop kennen, ohne sich festlegen zu wollen.

Der Gänsehautfaktor des Albums ist die sanfte und ausdrucksstarke Frauenstimme der norwegischen Sängerin, die in die elf Tracks auf dem Album eine ansteckende Reife hineinbringt. Ihr entspanntes Stimmtimbre schwingt klar und befreit von jeglicher Effekthascherei. Man möchte die zarten Songs am frühen Morgen hören, bevor der Tag startet. Oder zum entspannten Dinner.

Gleich das erste Lied „Buckle Her Shoes“ begrüßt dich mit freundlichen Percussions und zarten Gitarren. Und mit einer Geschichte, die auf verspielte Weise durch das Leben einer jungen Frau führt. In einer Aufzählung, die sich entlang von tanzenden, laufenden und rennenden Füßen entfaltet, liegt der Fokus mal auf einem geschnürten Ausgehschuh und mal auf dem Barfuß-Blues, den die besungene Frau in Zeiten des Abschiedes tanzt. Mit „Buckle Her Shoes“ hat Silje Nergaard einen herausragenden Text von Mike McGurk in Musik gesetzt. Dieser Text ist der stärkste von den neun Songgeschichten, die der Liedtexter für das Album zur Verfügung gestellt hat.

Der zweite Track „The Dance Floor“ ist ein ergreifendes Duett eines Paares, das sich in einen Tanz einschließt. In den Strophen sickert ein trauriger Abschied in die im Refrain vorsichtig etablierte Hoffnung nach besseren Zeiten und der Sehnsucht nach einem Ort der Entfaltung. Siljes Duettpartner, der Jazzsänger Kurt Elling, verkauft sich im Lied als ein Prinz im Dilemma zwischen Lüge und Liebe. Der Stimmklang der beiden zusammen klingt jedoch so versöhnlich wie eine nie endende Liebesgeschichte mit tiefen Wurzeln.

Die Gitarren auf „The Leaving“, ergänzt vom rhythmischen Kontrabass, bieten eine wunderschöne Klanglandschaft für das in simplen Worten geschriebene Abschiedslied. Zwischen dem Zu-Sagenden und Endlos-Ungesagtem pendelnd, entfaltet sich der Song und blüht auf. Ein einfaches Konzept für das Arrangement, mit großer Wirkung. Das Lied steigert sich letzten Endes mit sanften Hintergrundchoreinlagen in ein Pendulum, in dem Arve Henriksen mit seiner Trompete brillieren darf.    

Im Song „A Crying Shame“ singt die Sängerin versöhnlich von einem Ende, welches noch lange keinen Neustart erlaubt: die Stille wird dich am Boden zerschlagen – sie wird dich von innen auffressen – nichts auf dieser Erde könnte dir jemals so viel Schmerz zufügen wie dies. „A Crying Shame“ ist für mich einer der aussagekräftigsten Songs auf dem Album. Ein harscher Schmerz, der von Silje Nergaard so versöhnlich gesungen ist, dass allein der Kontrast und die Spannung zwischen im Song angedeuteter Realität und Traum Bände sprechen. Eine in Musik gefasste Lebenslektion – bleib locker!

Das darauf folgende „Come Walk Around“ tanzt in sich. Es hat den Charakter eines leichten Sommerwindes, der dich unerwartet begrüßt und mit seiner Sanftheit in den Bann zieht. Mit einem Lächeln im musikalischen wie textbezogenen Ausdruck pendelt der Song zwischen innerer Freiheit und bindenden Wurzeln, Vergangenheit und Zukunft, zwischen dem Leben außerhalb der Heimatstadt und einer fröhlichen Rückkehr. Das Lied ist in sich versöhnt und hinterlässt mit seiner eingängigen Melodie einen befreienden Nachklang.

Die Geschichte von „Lady Charlotte“ ist im frechen Tangostil eingespielt und personifiziert das zurückgezogene Leben einer Dame, die von vielen warm begrüßten Fremden Gutenachtgrüße empfängt, den ihr nahestehenden Menschen jedoch mit strikten Forderungen begegnet. Ihrer Seele würde etwas Lebensmut von „Those Rainy Nights“ gut tun, in dem sich die Kraft eines schönen Sternenhimmels entfaltet. Da dieser siebte Song als leise gehaltene und in stimmungsvollen Worten formulierte Ballade verfasst ist, versetzt es den Zuhörer gedanklich unter einen wolkenlosen Nachthimmel. In der Bridge des Songs eröffnet sich der Zusammenhang zum innig langsamen Tempo und den Metaphern des Regens: Die Erinnerungen an ihn werden sie wohl nie loslassen. Auch in „Those Rainy Nights“ brilliert Silje Nergaard mit ihrem sanften und warmen Stimmklang.

Der Song „Two For The Road“ ist bluesig gehalten, erzählt vom Reisen mit schwerem Herzen und bleibt durch die eingängige Melodie und das Wortspiel „I would rather hit the road than have the road hit me” gut in Erinnerung. Im Song mischt sich die Sehnsucht nach Ferne und einem neuen Leben mit der Freude über die neu gewonnen Erkenntnisse und der jugendlichen Lebensfreude.

Die Geschichte von „Café De Flore“ erzählt von einem Paar, welches von der Zeit und einer Schiffsfahrt getrennt worden ist. Der Song „Hunting High And Low“ ist der einzige nicht von Silje Nergaard komponierte Track. Überraschenderweise ist dieser von Pal Waaktaar verfasste Song der einzige, der im übrigens sonst sehr ansprechend gelayouteten Booklet nicht mit Liedtext verzeichnet ist. „Hunting High And Low“ führt die Traurigkeit von „Café De Flore“ weiter. In berührenden Linien wirft Silje Fragen auf, die an den Ehemaligen gerichtet sind: Weißt du, was es heißt zu lieben? Weißt du, was es heißt, still zu kämpfen? Weißt du, was es heißt, nach dir überall zu suchen?

Der Song „Morgenstemming“ ist ein interessanter Abschluss für das Album. Die Stimme der norwegischen Sängerin schwingt in der Muttersprache noch zarter. „Morgenstemming“ ist das einzige Stück, welches von Silje komplett komponiert und getextet ist.

Der Titel krönt das Album mit einem prägenden Arrangement: Der von Vince Mendoza auskomponierte Gesang für gemischten Chor bietet „Chain of Days“ nicht nur einen klanglichen Höhepunkt, sondern gleichermaßen ein angemessenes Ausklingen. Der Gesang des Chores erinnert mich an einen Morgen am Meer, ich höre in den Gesangslinien Wellen, die aufbrausend ans Land heranrollen und dort vom Strand ausgeglättet werden. Das Ausklingen dieses Blickpunktes auf „Chain of Days“ hinterlässt einen beeindruckenden Nachklang.

Mehr Infos über Silje Nergaard findet ihr auf ihrer Homepage.

Text: Marion N. Fiedler

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