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Kesha: Großes Theater, dicke Wimperntusche

Album Rainbow Kesha

Worum geht’s? Musik, Kesha, neues Album, Rainbow 

In frechen Hippie-Farben von stark bis zuckersüß präsentiert Sängerin und Rapperin Kesha ihr neues Album „Rainbow“. CAZ-Musikredakteurin Marion Fiedler hat für euch reingehört.

Kennt ihr noch Kesha? Die verrückte, damals super schlanke Sängerin, die mit „Tik Tok“ oder „Timber“ über das Label von Dr. Luke einen Millionenerfolg hatte? In den letzten Jahren wurde es um sie still, oder um genauer zu sein – ihre Musik verstummte, ihre Rückmeldung in den öffentlichen und sozialen Medien wurde in gewisser Weise aber sehr laut. So laut, dass es irgendwann nicht mehr um die Musik, ihren bemerkenswerten Erfolg der vergangenen Jahre oder ihr Talent ging. Über die Medien teilte sie recht offen, wie sie sich von Verträgen befreite, es ging um die Anzahl an Kilos, die eine attraktive Sängerin zulegen darf. Und es wurde über unangenehme Situationen, die Kesha in Zusammenarbeit mit ihrem Label und Team erlebte, getweeted. Machen wir‘s kurz. Es fielen zu viele Worte, es gab ein verwirrendes Durcheinander um eine talentierte Sängerin. Und dafür erklang zu wenig Musik.  

Aber jetzt kommt die 1987 geborene, mit bürgerlichem Namen Kesha Rose Sebert genannte Musikerin mit neuer Platte zurück, die die erlebte Belastung reflektiert. All das Durcheinander jedenfalls scheint Kesha jetzt hinter sich gebracht zu haben. Sie singt von verheilten Narben, einer neu gefundenen Kraft, und die Songs sprühen vor Selbstbewusstsein: Auf dem vor wenigen Monaten erschienen Album „Rainbow“ trällert Kesha jedenfalls freche, befreite, aufmunternde, starke Lieder. Und zeigt sich von einer sehr persönlichen Seite, und die ist wie immer ziemlich unkonventionell.

Ihr Image behält nämlich in der Musik wie auch im Artwork den Kesha-typischen Bubble-Gum-Schimmer, den sie seit „Tik Tok“ präsentiert. Auf dem Album zeigt Kesha eine Stimme und Persönlichkeit mit vielen Facetten: Motherfucker, Suchende, Egalo, Drüberhinweg-Go-Getter, Betende, Drohende, Diva.

Gleich das erste Lied besingt in aufmunternden und motivierenden Worten eine Art rebellische Kesha, die in zuckersüssen Balladenphrasen Worte wie Assholes performen kann. Was für eine Attitude! Hört mal rein. Ich find‘s ganz schön mutig, anders, kraftvoll.

Der erste Song scheint übrigens einer von vielen Mitschnitten dieses Liedes zu sein, wie das Einzählen und die Frage, ob „wir das Stück noch mal neu einspielen sollten“, zeigt. Ganz ehrlich mal. Normalerweise wird doch aber im Studio so ein Kommentar weggeschnitten. Wirft schon die Frage auf, ob diese gesprochenen Worte vor und nach dem Lied inszeniert sind, einen Effekt erfüllen sollen. Zutrauen würde man es Kesha schon. Auf alle Fälle versteckt sie den dicken Hall auf ihrer Stimme nicht, wie es andere Studiomusiker sicherlich tun würden. Und glaubt mir, da war ein dickes Reverb drauf. Stört mich aber nicht, das Ganze fällt eben nur auf. Wie auch das pinklastige Hippie-Outfit und die skurrilen Props in den ausdrucksstarken Musikvideos und im peppigen Artwork des Albums. Anyways. Das Lied ist super performt und entspricht dem typischen Kesha-Style. Sie ist also zurück im Sattel.

Beim zweiten Song kommen wir dann zu einem punkigen Heavy-Metal-Song, der einen mit sehr viel Energie und Attitude in Stimme und Arrangement überrollt. Der Liedtext ist ein deftiges I-Dont-Care-Statement. Erzählt auf alle Fälle die Erfahrung, die sie in den vergangenen Jahren zwischen Gerichtsterminen und laut mitgeteilten Presse- und Fanmeinungen gemacht zu haben scheint.

In den Songs kommen viele Kraftworte vor. Die Lieder erzählen alle eine eigene Geschichte. Das kraftvollste Stück ist sicherlich die Single „Praying“, die mit ausdrucksstarkem und kunstvollem Musikvideo bereits gut 74 Millionen Klicks hat. Ein mit knallroter Seide ausgestatteter Sarg, ein übermäßig dimensionierter Plastikschmuck, blauer Lippenstift und zwei Bestatter mit Schweinsköpfen sprechen hier eine klare Sprache. Die Jagd, die auch im Song erzählt wird, scheint die Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre darzustellen. Und das Töten der schillernden Kesha brachte im Clip eine die Dürre überlebende, auf einem Floß auf offener See aufwachende neue Kesha hervor. Großes Theater, dicke Wimperntusche.

Den Song „Rainbow“, der dem Album seinen Namen gab, finde ich überraschenderweise nicht sehr bemerkenswert und für den Rest des Albums viel zu zuckrig und fragil. Wer vorher Motherfucker singt, sieht auf einmal Regenbogenfarben und hat ein großes, vor Liebe brennendes Herz für andere Menschen? Verwirrend. Dafür begeisterte mich das wunderbar gesungene „Finding You“ (Track 7) und die auch zum Hippie-Image passende, eher akustisch instrumentierte, aufblühende Songstruktur mancher Lieder.

Das große Theater geht jedenfalls weiter, die Bühne ist gemacht. Mal sehen, was als Nächstes kommt. Hört auf alle Fälle mal rein. Warum ich mir das Album in mein Regal stelle, ist der Fakt, dass die Stimme und das Talent der amerikanischen Sängerin Bände schreiben. Und auf den nächsten bin ich besonders gespannt.

Text: Marion Fiedler
Foto: PR

Jetzt seid ihr dran: Welche Musik sollen wir in der CAZ vorstellen? Kleine Alternative Projekte oder lieber die Chartstürmer? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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