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„Es gibt nicht den typischen Studenten“

Worum geht’s? Campus, Studenten, Bücher, Literatur, Buchladen

Wer sind die Menschen rund um den Campus, die wir regelmäßig sehen, aber von denen wir doch nichts wissen? CAZ stellt einige von ihnen vor. Heute Steffi Hirsch von der Bücherei am Nürnberger Platz.

 

Steffi Hirsch ist schon länger dabei. Sie arbeitet seit mehr als 35 Jahren in der Thalia-Buchhandlung direkt auf dem Campus an der Haltstelle Nürnberger Platz. Ob an dieser Filiale irgendwas anders ist als in den anderen in Dresden? Frau Hirsch sagt ohne Zögern: „Ja, auf jeden Fall. Durch die Studenten hat man ein ganz anderes Publikum. Hier ist der Anspruch größer.“

Studenten erkennt sie sofort, wenn diese denn Laden betreten. Das liegt an der Lebenserfahrung, erklärt sie mir. Aber so einen typischen Studenten gibt es natürlich nicht.

Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht, gibt Steffi Hirsch zu. Persönlich liest sie am liebsten Biografien und Romane. Zurzeit hat sie eine besondere Empfehlung: „Du hättest gehen sollen“ von Daniel Kehlmann. „Sehr spannend durch die psychologischen Abgründe, die in einer sehr nüchternen Art und Weise erzählt werden. Als Leser wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen“, schwärmt sie.

Frau Hirsch scheint eine dieser belesenen und gebildeten Frauen zu sein, die mich an meine alte Englischlehrerin erinnern. Neben Literatur interessiert sie sich auch für Musik und Kunst. „Das Schönste an meinem Beruf ist, dass ich täglich etwas Neues erfahren kann. Man muss nur offen genug dafür sein. Das gilt bei Büchern und natürlich auch bei Menschen“, behauptet die 62-Jährige.

Auf die Frage, ob sie denn bald in Rente gehen möchte, antwortet sie, dass sie es noch nicht geplant hat. „Ich habe noch so viel Spaß, da will ich noch nicht aufhören“, ergänzt sie lachend.

Was sie sich mehr wünschen würde von den Studenten? Frau Hirsch überlegt kurz: „Dass die Studenten ihren Horizont erweitern.“ Früher seien die Studenten am Buch generell interessiert gewesen, sagt sie. Heute würden viele kein breites Interessenfeld mehr haben. Steffi Hirsch meint: „Es ist wunderbar, wenn man nicht nur etwas für den Moment macht.“ Sie gibt mir den Rat, dass man sich über das Studium hinaus bilden sollte. Einfach aus Interesse, nicht nur fürs Studium. So oft hat sie sich bei einem Kundengespräch mit einem Studenten gefragt, was eigentlich aus dieser Person mal werden soll. Die erfahrene Buchhändlerin vermisst das Engagement.

Wir reden über ihr Spezialgebiet, den Buchhandel. Ihre Prognose ist optimistisch: „Den Buchhandel wird es weiterhin geben, in einer anderen Größe natürlich.“ Es wird in ihren Augen schwieriger neben den vielen Konkurrenten wie Amazon, aber das Interesse am Buch wird bleiben und somit der Buchhandel. Sie erklärt mir, dass der Trend in den USA, sich Bücher immer mehr online zu kaufen, sich nicht eins zu eins in Deutschland reproduzieren wird. Deutschland habe im Gegensatz zu den USA eine engere Beziehung zu den Buchläden und ein dichtes Netz an verschiedenen Filialen.

Text und Foto: Nerea Eschle

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