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Eric Hattke: „Ich schaue leidenschaftlich gern Filme“

Worum geht’s? Interview, Filme, Politik, Engagement

Der TU-Student, einst Sprachrohr von „Dresden für alle“, spielt Badminton, liebt Gelassenheit und Schwarzbier und hat schon 20-mal „I heart Huckabees“ geschaut – mindestens.

 

CAZ: Was machst du abseits deines politischen bzw. sozialen Engagements?

Eric Hattke: Schlafen. Aber auch das muss finanziert werden, weshalb ich wie die meisten Studenten nebenbei arbeiten gehe. Ruhe und Gelassenheit finde ich vor allem im Badminton oder beim Schwimmen. Meine Freunde, die ich früher ziemlich vernachlässigt habe, sind mir sehr wichtig und ich schaue leidenschaftlich gern Filme. Manche davon haben das Prädikat „Kunst“ verdient. Beispielsweise „Lucky Number Slevin“ wegen seiner genialen Dialoge, „Das brandneue Testament“ mit seiner enorm kunstvollen Erzählung oder den mich persönlich sehr prägenden und bestimmt 20-mal geschauten „I heart Huckabees“. Dieser sehr philosophische Film handelt davon, dass wir die Welt um uns herum immer selbst mitgestalten – allein durch unsere Wahrnehmung. Das bedeutet, dass alles Lebendige und alle Dinge, die uns umgeben, immer ein Stück von uns selbst enthalten, weil wir allem Bestimmungen zuschreiben, die sie ohne uns gar nicht hätten (z.B. Schönheit, Nützlichkeit, Größe, etc.). Deswegen gibt es auch so viele Realitäten, wie es Menschen gibt. Es besteht somit keine Monorealität, kein universelles Richtig und Falsch, keine objektiven Wahrheiten, wie sie Religionen oder andere Ideologien konstruieren. Es existieren nur subjektive und intersubjektive Wahrheiten – wie die Uhrzeit. Gegenseitiger Austausch ist dadurch unerlässlich. Wenn man das einmal akzeptiert und verstanden hat, dass es nur ein Richtig für mich und ein Richtig für dich gibt, dann können gegenteilige Meinungen plötzlich auch richtig sein. Das sollte man mehr in der Gesellschaft leben oder zumindest akzeptieren und auch als Chance begreifen, in die Welt von anderen hineinblicken zu dürfen.

CAZ: Folgendes Zukunftsszenario: Sommer 2019, die AFD ist stärkste Kraft im Sächsischen Landtag. Was schreibst du in dein Tagebuch und was wünscht du dir für Dresden?

Eric Hattke: Wenn ich ein Tagebuch schreiben würde: „Der Schoß ist fruchtbar noch.“ Das Zitat aus Berthold Brechts „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ trifft es ganz gut, weil der Aufstieg hätte verhindert werden können. Es finden sich klare Parallelen zu der Untätigkeit, die man heutzutage auch in Dresden spürt. Ich wünsche mir ein Dresden, in dem Respekt, Anstand, Würde und Mitmenschlichkeit mehr bedeuten als ein Spruchband, was man vor sich herträgt. Ich bin in einer euphorischen Welt voller Sicherheit und Neugierde groß geworden. Diese Welt verliert immer mehr an Bedeutung zu Gunsten einer anderen Welt. Einer Welt, in der man das Fremde mit Argwohn und Missgunst betrachtet, in der Angst viel größer ist als Neugier, in der Risiken bedeutender sind als Chancen und in der derjenige Recht hat, der am lautesten brüllt. Und in dieser Welt will ich einfach nicht leben und dafür trägt jeder Verantwortung. Das stört mich auch ungeheuer an bestimmten Gesellschaftsteilen, dass man meint, sich raushalten zu können. In einer Demokratie ist jeder gefordert, völliger Schwachsinn zu glauben, man kann als Bürger unpolitisch sein. Außerdem vermisse ich ein Wir-Gefühl in Dresden, jeder kämpft für sich anstatt mehr zusammenzuhalten – auch an der Uni.

CAZ: Welche Hoffnung hast du bereits verloren und welcher Song würde beim Einzug in dein eigenes Box-Match laufen?

Eric Hattke: Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass Herr Tillich das nötige Rückgrat beweist, welches er in seiner Position eigentlich haben sollte, um sich glaubhaft durch entsprechende Taten für die Grundwerte unserer Demokratie starkzumachen. Tatsächlich nahm ich früher Karateunterricht. Ob das für einen Boxkampf reicht, bezweifle ich und daher wäre der Einzugssong wohl „Always look on the bright side of life“ aus „Das Leben des Brian“ – Ironie hat ja auch immer etwas Tröstendes.

Interview und Foto: Robert Härer

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