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Caroline Scheel: „Personen zu malen ist bewegend“

Kunsthochschule Dresden Caroline Scheel Interview
Künstlerin Caroline Scheel beschäftigt sich gerne mit Porträts.

Worum geht’s? Kunsthochschule Dresden, HfBK, Kunststudium, Caroline Scheel

Nach dem Kunststudium Fuß zu fassen, ist nicht so einfach. Die Künstlerin Caroline Scheel ist auf einem guten Weg. CAZ-Autorin Marion N. Fiedler hat mit ihr gesprochen.

Caroline Scheel studierte seit 2009 an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden und wurde nach ihrem Diplom für Bildende Kunst im Jahr 2015 noch einmal für ein Graduiertenstudium bei Prof. Christian Macketanz zugelassen. Nun, als erfolgreiche Absolventin, trägt sie den Titel „Meisterschülerin“. Die Malerin beschäftigt sich in ihrer Arbeit vorwiegend mit Figuration und Porträt. Auch grafische Arbeiten gibt es. Inzwischen wurden ihre Werke schon in mehreren Ausstellungen präsentiert.

CAZ: Wovon erzählt deine Kunst?

Meine Malerei beschäftigt sich mit Fragen der Selbstwahrnehmung, mit zwischenmenschlichen Verbindungen und Qualitäten des Seins wie Liebe, Mut und Neuanfang. Ich versuche, Spannungen dessen auszuloten, was ich wahrnehme: das Schwere wie das Leichte im Leben, das Starke wie das Schwache in meinem Gegenüber und das Unerwartete. Zu sehen, zu empfinden und schließlich zu malen, erlaubt mir, in tiefe Resonanz mit dem Inneren und Äußeren der Welt zu treten. Meine Kunst erzählt von dem Sinn und der Kraft, die ich darin finde.

CAZ: Wie inspirieren dich deine Mitmenschen?

Das Malen von Personen, die mich in einer ganz speziellen Weise herausgefordert haben – positiv wie negativ –, ist für mich sehr bewegend. Sie für „bildwürdig“ zu erklären, hat in mir einen Prozess in Gang gesetzt, an dem ich sehr wachse. In die Bilder male ich meine Zuneigung und meinen Schmerz, allerdings nicht nur meinen, sondern auch den, welchen ich in diesen Menschen wahrgenommen habe. Aufgrund dieses ‚Hineinfühlens‘ entstehen Arbeiten, die eine Art zeitlose Symbiose ihrer Zwiespältigkeit darstellen. Viele meiner Werke verweisen daher auf die Kostbarkeit und zugleich auch die Fragilität aufrichtiger Begegnungen.

CAZ: Sind die Werke, die du in deiner aktuellen Ausstellung präsentierst, an der Dresdner Kunsthochschule entstanden?

In der Ausstellung hängen Werke, die im Rahmen meines Studiums an der HfBK entstanden sind, ja. Meine aktuellen habe ich aber, um genau zu sein, in meinem eigenen Atelier in Dresden-Mickten geschaffen, das ich seit meinem Meister-Studium habe. Dort fühle ich mich sehr wohl. Meine Kollegin und ich haben ein echt gutes Arbeitsverhältnis, netten Kontakt zu den Nachbarn und zu den dazugehörigen Kindern und Katzen. Ich bin in circa zwei Minuten zu Fuß an der Elbe, wenn ich ein Päuschen brauche. Einen ähnlich schönen und elbe-nahen Arbeitsplatz zu finden, wie es die HfBK Dresden für mich über Jahre war, hätte ich nicht für möglich gehalten.

CAZ: Was war die interessanteste Aufgabe oder Erfahrung in deinem Studium?

Das war der Auslandsaufenthalt in Rom im Sommersemester 2014, weil ich dort auf einen Reichtum an Kunstschätzen, Vielfalt des Lebens und geheimnisvoller Schönheit stieß, der mich absolut begeistert hat. Und die interessanteste Aufgabe war wohl das Studium an sich. Sie beinhaltet in erster Linie das Finden einer eigenen künstlerischen Position, einer eigenen Sprache im Sinne der Darstellungsform. Die zeitgenössische Kunst ist extrem vielfältig und komplex. Wenn man in diesen Diskurs und schließlich auch in den Markt einsteigen möchte, ist ein ganz feiner Draht zu sich selbst wichtig. Zu seiner Vision und Vorstellungskraft und nicht zuletzt zu dem zu finden, was einen antreibt, ist auch eine über das Studium hinausreichende grundsätzliche „Aufgabe“. Nicht zuletzt, um all den damit einhergehenden Risiken, sich für die Kunst entschieden zu haben, die Stirn bieten zu können.

CAZ: Fühlst du dich bereit für den Beruf des freien Künstlers?

Der Beruf des freien Künstlers ist nicht das, was ich mir zu Beginn des Studiums ernsthaft ausgemalt hatte. Aber im Moment sehe ich, dass der Weg weitergeht. Deshalb gehe ich ihn. Was mich stärkt, ist die Resonanz auf meine Werke und das Weitermachen an sich, weil mich immer wieder die wilde Entschlossenheit packt, wenn ich etwas malen kann, das mir unergründlich relevant erscheint und mich beschäftigt. Herausfordernd ist natürlich jetzt die finanzielle Dimension, d.h. die Frage, wie ich mich finanziell absichern kann, um dennoch mein Hauptaugenmerk auf die Kunst richten zu können.

CAZ: Wo kann man deine Kunst anschauen?

Malereien von mir sind an verschiedenen Orten in Dresden zu sehen. Die Motorenhalle des riesa e.V. beim Bahnhof Mitte hatte Arbeiten der Meisterschüler präsentiert, die dieses Jahr ihren Abschluss gemacht haben, darunter waren deshalb auch zwei Werke von mir. In der Galerie Bueffelfish ist eine größere Werkauswahl von mir zu sehen. Neben großformatigen Malereien, die in diesen Räumlichkeiten viel Platz genießen können, sind auch Papierarbeiten mit Tusche präsentiert. Desweiteren wird es im Herbst noch eine Ausstellungsbeteiligung bei der art’SAP am Postplatz geben.

CAZ: Welche Hinweise gibst du kunstinteressierten Studenten, wenn sie die Hochschule und die Nachwuchstalente der HfBK Dresden kennenlernen möchten oder sich für ein Kunststudium interessieren?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Jährlich finden ein Sommerfest und eine Jahresausstellung statt. Und zu Beginn der vorlesungsfreien Zeit im Sommersemester ist immer die Diplomausstellung. Einen Tag der offenen Tür gibt es auch regelmäßig.

Kunstwerke von Caroline Scheel könnt ihr zum Beispiel vom 6. November bis Januar 2019 in der Geschäftsstelle von SAP, Postplatz 1, oder bis 20. Dezember in der Galerie Bueffelfish, Helfenberger Grund 8a, anschauen.

Interview und Foto: Marion N. Fiedler

Jetzt seid ihr dran: Kennt ihr Menschen, welche die CAZ unbedingt vorstellen sollte? Gibt es jemanden am Campus, über den es sich lohnt zu berichten? Schreibt an redaktion@caz-lesen.de

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