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Mit „Weitsicht“ – Student der Kirchenmusik lädt zum Konzert

Ein Studium der Kirchenmusik – wer macht denn so was? Rufus Brodersen zum Beispiel. Mit Kommilitonen hat er ein ganzes Konzert organisiert, das ihr am 12. und 13. März besuchen könnt.

Er kombiniert mit seinem Studium seine Ausbildung im Fach Schulmusik mit dem B-Diplom in Kirchenmusik und pendelt immer zwischen dem Campus der Hochschule für Musik und der Kirchenmusikhochschule hin und her. Letztere liegt direkt an den Elbwiesen, wo sich Rufus für ein kurzes Interview zu seinem aktuellen Studienprojekt mit CAZ-Musikredakteurin Marion Fiedler getroffen hat.

CAZ: Lieber Rufus, stimmt es, dass du gemeinsam mit Studienkollegen ein Konzert organisierst?

Rufus Brodersen (RB): Fast. Wir Studenten der Kirchenmusikhochschule bereiten im Team das sogenannte Kantatenprojekt vor. Ich organisiere, plane und leite das Konzert zusammen mit drei weiteren Kommilitonen, die jeweils auch eine Kantate dirigieren. Im Hintergrund unterstützen uns außerdem unsere Mentoren, Dozenten unserer Hochschule. Sowie natürlich alle unsere Kommilitonen, die im Hochschulchor singen.
Eigentlich ist es keine Studienleistung, zu der wir verpflichtet sind. Einen „Schein“ in dem Sinne bekommen wir nicht. Wir bekommen zwar einen „Credit-Point“ im Wahlpflichtmodul, aber das ist nicht die Hauptsache. Es ist tatsächlich alles freiwillig und aus der eigenen Motivation der Studierenden heraus organisiert.

CAZ: Was genau ist das Kantatenprojekt?

RB: Wir wollen unserem Publikum eine besondere Musik näherbringen. Das Kantatenprojekt ist eine musikalische Veranstaltung, bei der die Konzerte von Studierenden der Hochschule für Kirchenmusik Dresden in einer Projektwoche mit dem Chor der Hochschule sowie Solisten und Orchestermusikern aus Dresden einstudiert, organisiert und aufgeführt werden. In diesem Jahr beleuchtet das Programm die unterschiedlichen Facetten der Musik des europäischen Barock. Wir haben für den Durchgang 2016 das Motto „Weitsicht“ gewählt.

CAZ: Und aus welcher Motivation heraus?

RB: Es passt einfach thematisch gut. „Weitsicht“ ist eine mögliche wörtliche Übersetzung des Griechischen Wortes „Europa“ – euro „weit“ und ops „Sicht“. Wir spielen damit natürlich auf die europäischen Kantaten an, die erklingen werden. Aber auch auf die Weitsicht des europäischen Gedankens, der damals wie heute aktuell ist.

CAZ: Wie oft wird das Konzert aufgeführt?

RB: Zweimal, und zwar am 12. März um 19.30 Uhr in der Weinbergskirche Trachenberge. Und am 13. März um 17 Uhr in Maria-am-Wasser Hosterwitz. Zu beiden Terminen werden vier Kantaten des europäischen Barock erklingen.

CAZ: Was erwartet die Zuhörer?

Wir haben vier Kantaten ausgewählt. Jede davon aus einer anderen Ecke Europas. So erklingt zu Beginn die Psalmvertonung „Confitebor tibi, Domine“ des sehr früh verstorbenen Giovanni Battista Pergolesi, dessen Stabat Mater den meisten bekannt sein dürfte. Marc-Antoine Charpentiers „O Deus, O Salvator noster“ vertritt das barocke Frankreich und der ruhige Gegenpol zu dem fast opernhaften Pergolesi.
Aus Mitteldeutschland kommt die Kantate „Nach dir, Herr, verlanget mich“, die vermutlich eine der frühen Kantaten von Johann Sebastian Bach ist. Abgerundet wird es mit einem typisch händelschen-englischen Feuerwerk „Let God arise“ von Georg Friedrich Händel – oder George Frederic Handel, wie er sich selbst in England nannte.

CAZ: Das Kantatenprojekt ist ja ein Teil deines Studiums. Wie ist diese Erfahrung für dich?

RB: Sehr bereichernd. Man lernt allerlei Dinge im Vorfeld. Die ganze Organisation, die man ja zumeist auch im späteren Berufsleben braucht, das Engagieren von Musikern und Solisten, das Reagieren auf unvorhersehbare Probleme und so weiter. Das Ganze neben dem sowieso recht vollen und vielseitigen Studium zu bewältigen ist eine nicht immer leichte Aufgabe. Zum Glück bin ich ja nicht alleine, sondern wir arbeiten in einem gut funktionierenden Team von Studenten.

CAZ: Wie hast du dich darauf vorbereitet?

RB: Vieles lernt man erst dadurch, dass man es tut. Jedoch waren die Kommilitonen, die frühere Projekte geleitet und organisiert haben, immer gute Ansprechpartner.

CAZ: Wie lange gibt es diese interaktive Studienanforderung an die Studenten der Kirchenmusikhochschule bereits?

RB: Das Kantatenprojekt der Hochschule für Kirchenmusik gibt es nun schon viele Jahre und wird von Studienjahr zu Studienjahr weitergereicht. Das Spannende ist, dass sie immer anders gestaltet werden, je nachdem was die Studierenden vor Augen und Ohren haben. Eine Konzertreihe in diesem Sinne ist es also nicht, sondern immer etwas Neues, etwas Aufregendes.
Im Übrigen wird Dresden nicht der einzige Aufführungsort bleiben. Für unser Projekt ist es besonders schön, dass wir die Musik noch einmal mit auf Reisen nehmen werden und die Stücke erneut in Vilnius, Litauen, mit den Studierenden der dortigen Musikhochschule aufführen werden.

CAZ: Bei euch an der KiMu ist ja relativ viel los. Welche anderen KiMu-Projekte können die Dresdner im Moment erleben?

RB: Es gibt momentan eine Vortragsreihe „Musik und Theologie“ immer am ersten Mittwoch des Monats. Im Rahmen des Deutschen Evangelischen Posaunentages werden wir am 3. Juni mit einem modernen Programm für Chor und Bläser in der Annenkirche auftreten.
Außerdem wird es beim Bachfest hier in Dresden am 30. September eine „Bach-Nacht“ bei uns in der Hochschule für Kirchenmusik geben, bei der man neben dem direkten Blick auf die nächtlichen Elbwiesen und Elbschlösser die Musik von Bach in den verschiedensten Facetten und Räumen erleben kann. Langweilig wird es uns Studierenden also nicht.

Wer mehr zum Kantatenprojekt erfahren will, findet hier weitere Infos.

Text und Foto: Marion N. Fiedler

 

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