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Demo-Montag: Ein CAZ-Reporter war dabei

Ein Jahr Pegida. Die „Patrioten“ rechneten mit erheblichem Zulauf. Auch hatte ein breites Bündnis zu Gegenprotesten aufgerufen. In der Innenstadt blieben die Nerven bis zum Schluss gespannt. CAZ-Reporter Maximilian Helm war dabei und schildert seine ganz persönlichen Eindrücke.

 

 

 

Fast pünktlich stehe ich 16.30 Uhr am Fritz-Foerster-Platz (Foto). Die Stimmung ist gut, Begrüßung hier, Tee verteilen da und ein bisschen über besonders gelungene Schilder lachen. Schnell setzt sich der Zug in Bewegung, am Hauptbahnhof entlang, über den Dr.-Külz-Ring zum Altmarkt. Kundgebung, Demo-Plenum, ein schöner kalter Demo-Tag in Dresden.

17 Uhr ist die Kundgebung am Altmarkt beendet. Weiter geht es für die meisten zum Postplatz. Unsere kleine Gruppe jedoch macht sich auf vor das Taschenbergpalais, zu einer Kundgebung von „DIE PARTEI“. Mit Partyhüten, einer großen Torte und Musik wird den umherstehenden Pegidisten freundlich zum Geburtstag gratuliert. Es ist für mich die wahrscheinlich beste, weil freundlichste Aktion des Tages. Doch so gut es sich für mich anfühlte, gerade mal 200 Meter vom Theaterplatz entfernt, mitten auf der Hauptanreiseroute von Pegida seine Meinung kundzutun, so komisch mutet die Situation an. So fremd fühlte man sich. Und so hoffnungslos in der Unterzahl.

Dann plötzlich, ein Knall. Ein zweiter, ein dritter. Rennende Polizisten, schreiende Menschen. Wer die Pyrotechnik geworfen hatte, ist unklar. Als der nächste Feuerwerkskörper zwei Meter neben meinem Fuß einschlägt, ist mir das auch herzlich egal. Ein kleines Handgemenge, der Geruch von Pfefferspray. Noch nicht mal durchatmen. Der Zustrom zu Pegida versiegt.

19 Uhr, die Veranstaltung beginnt. Von hinten stößt plötzlich die Demonstration vom Postplatz zu uns vor, man jubelt sich zu, man ist laut, in unmittelbarer Hörweite von Pegida. Die Stimmung ist zunächst einigermaßen entspannt. Das ändert sich aber jedesmal, wenn ein Pegida-Teilnehmer von hinten versucht, zur Demo zu kommen und auf dem Weg als solcher enttarnt wird. Es gibt auch eine Situation, in der ein offensichtlich Rechter in der Menge steht, umringt von jungen Menschen, die ihm Parolen von Offenheit, Toleranz und Freundlichkeit entgegenbrüllen. Der Mann steht da, den Kopf gesenkt, lässt es minutenlang über sich ergehen. Ich rufe auch mit. Ich wünsche mir kurz darauf, ich hätte es nicht getan – so haben wir uns selbst entlarvt und dem hingegeben, was wir eigentlich bekämpfen. Schließlich befreit er sich in die Arme der Polizisten.

Immer wieder kommt es wegen anreisender Teilnehmer zu Handgemengen, die Polizei setzt Pfefferspray ein, ein junges Mädchen neben mir erwischt es direkt. Je länger Pegida läuft, desto ruhiger wird unsere Demonstration. Als klar wird, dass die Patrioten andere Abreisewege nehmen, löst sich unsere Masse immer mehr auf. Auch wir lösen uns bald aus der Menge.

Auf der Heimfahrt ist die Stimmung gedrückt. Nein, wir haben nichts bewirkt. Und über allem die Frage: Wo soll das alles hinführen? Wenn ich Bahn fahre, bemerke ich, wie ich selbst Menschen in Pegida und Nicht-Pegida einteile. Ich habe Vorbehalte gegen Menschen, die ich nicht kenne. Ich bin doch kein Stück besser!

Wovor ich wirklich Angst habe, ist, dass es immer schlimmer wird. Dass meine Kinder im Geschichtsbuch eines Tages lernen, wann sich Pegida gegründet hat, als Vorbereitung auf das Kapitel „Europäischer Bürgerkrieg“. Wir müssen einen Weg heraus aus dieser Spirale finden. Als ich gestern mit einigen Leuten ins Gespräch kam, wurde mir klar, dass man gar nicht so verschieden steht. Wir wollen gut leben und wir wollen frei sein. Und ich ganz persönlich will nicht hassen. Hass ist kein gutes Gefühl. Und satt macht es auch niemanden.

Text und Foto: Maximilian Helm

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