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Geschichte von unten nach oben

Versuchen wir Geschichte zu verstehen, geht es immer um „große“ Männer und Frauen. Generäle, Diktatoren, Bürgerrechtler und Aktivisten. Doch gibt es eben nicht nur sie. Geschichte von unten nach oben, darum geht es im Projekt „Spuren“, das momentan in Dresden im Aufbau ist. CAZ-Redakteur Maximilian Helm hat mit dem Weltreisenden, Farmer, Schwulenaktivisten, Lehrer und „Spuren“-Gründer Michael Luick-Thrams gesprochen.

Michael entstammt einer Farmerfamilie aus Iowa und lebte später in vielen Teilen der Welt, unter anderem auch in Berlin, wo er promovierte. Seit seinem Geschichtsstudium widmet er sich besonders dem Zweiten Weltkrieg. Warum? Es soll um Konflikte gehen, aus denen die Menschheit lernen kann. Der Zweite Weltkrieg eignet sich dafür besonders, denn er betraf unzählige Menschen persönlich. Er ist nah genug für unmittelbare Forschung, aber gleichzeitig weit genug weg, um neutral betrachtet zu werden.

Ursprünglich stammt das „Spuren“-Projekt aus den USA – dort läuft es seit 2001 unter dem Namen „Traces“. Organisiert werden Lesungen, Konzerte und Ausstellungen zur Thematik des Zweiten Weltkrieges. Zudem ist „Traces“ ein Herausgeber für historische Bücher. Für die bisher größte Aktion benutzte das Projekt zwei Schulbusse, die beide zu fahrenden Museen umgebaut wurden und schon über 
250.000 Besucher zählten.

Nun soll das Projekt erweitert werden, und welcher Ort eignet sich dafür besser als Deutschland? Michael sagt, es solle um das große Ganze gehen. Er versteht Geschichte als Möglichkeit, Dinge in Zukunft besser zu machen. Doch dazu muss man sie verstehen und ganz unten anfangen. Und ganz unten heißt, dass es um Familiengeschichten geht. Die Geschichten von normalen Leuten, die auch ihren kleinen Teil zur Historie beigetragen haben. Erst dann wird sie auch relevant für jeden. „Hitler fuhr nie einen Zug nach Auschwitz. Er hatte jemanden dafür. Ich denke, wenn wir Geschichte wirklich verstehen wollen, ist der Zugführer teilweise wichtiger als Hitler“, sagt Michael. „Traces“ soll nicht für weiße, männliche, intellektuelle Historiker sein, sondern für alle: Soldat, Bänker oder Farmer. 

Geht es ums Geld, wird es schwieriger. In den USA war man Teil des Förderprogramms im Zuge des 11. September. Mit diesem Geld wurden Bücher gedruckt, deren Verkaufserlöse weiter genutzt werden konnten. In Deutschland hat „Traces“ bisher einige private Spender. Für Michael ist es absolut ausgeschlossen, sich an irgendeine politische Organisation zu binden, auch wenn das vieles vereinfachen würde.

Das Projekt steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen und sucht nach Unterstützung, besonders von Studenten. Es gibt viel zu tun: Bücher verlegen, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Einladen von Gastrednern, das Organisieren von Spenden und vieles mehr. Vielleicht hast du Lust, dich zu beteiligen? 

Mehr dazu unter http://de.traces.org, www.traces.org

Text und Foto: Maximilian Helm

 

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